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Reinhold Meier
Der Quelle – Zyklus – des Lebens
(Meditation ueber die Altarfenster in der Evangelischen
Pauluskirche, Meckenbeuren, Deutschland).
Das Kreuz ist die Mitte
Das Kreuz verbindet Oben
und Unten, Himmel und
Erde
Es verbindet auch das
Nebeneinander wie
zwei
segnende Arme
Das Kreuz ist der
Lebensbaum
Die Fenster entfalten sich
wie eine Blüte.
Der Zyklus beginnt rechts
oben im Uhrzeigersinn:
Er zeigt: Geburt, Leiden,
Wachsen,
Siegen.
Er zeigt: Advent, Passion,
Wachstum,
Ostern.
Innen und außen, Gott und
Mensch gehören
zusammen.
Das Geburtsfenster
Die Farben des Winters: Kalt aber
auch
klar sind das Weiß, Hellblau und
Gelb. Das weibliche Antlitz
in der
Mitte spiegelt heilige Stille. Es ist
konzentriert in
sich selbst. Die
geöffnete Hand geht zum Herz. So
bricht das
Eis auf. Die Frau erlebt ein
Wunder aus der Tiefe. Über ihr
leuchtet ein Stern, Davids Stern. Er
sagt: Aus der Tiefe
wird Neues geahnt
und geboren, Gottes Kind, der ganze
Horizont seines unendlichen Heils.
Darum öffnet sich das
Bild in die
Weite des Alls.
Das Leidensfenster
Die kräftigen Farben des Schmerzes
bestimmen das Bild: Rot, Violett,
Blau. In der Mitte ein
Antlitz voll
Sorge und Schmerz, aber auch mit
Sehnsucht und
Erwartung. Die Hände
weisen nach oben: Aus der Tiefe rufe
ich Herr zu Dir! Oben scheint die
Sichel des Mondes, das
Licht in der
Nacht, von einer Wolke teilweise
verdunkelt.
Das Bild erinnert an das
Leiden unseres Herrn: Die Erfahrung
innerer Dunkelheit und Verlorenheit.
Kampf und Sterben. Und
es bezeugt
zugleich die Sehnsucht nach Licht und
Erlösung.
Gott erhört die Gebet von
unten.
Das Wachstumsfenster
Die Farben der Erde geben den Ton
an:
Grün und Braun. Das Gesicht liegt
wie ein Samenkorn im
Mutterboden.
Es strahlt Ruhe und Vertrauen aus.
Reife ist
immer ein Wunder. Aber was
ausgesäht ist, wird wachsen. Die
grünen Zweige ragen schon
hoffnungsvoll in die Zukunft
empor.
Gottes himmlisches Reich wächst im
Stillen. Es reift
heran. Es geht auf wie
ein Samenkorn. Diese Wandlung ist
nötig. Nur was sich verändert bleibt.
So hat Er selbst es
eingerichtet. Gottes
segnende Hände umgreifen diesen
geheimnisvollen Prozess des Lebens.
Das Siegesfenster
Die Hauptfarben sind Gelb und Weiß,
die
Farben der Sonne und des
Schnees. Das Gesicht ist nach oben
ausgerichtet, in das Licht aus dem
Jenseits. Die Freude des
Sieges
spiegelt sich in den Zügen.
Die Hand weist jubelnd
empor. Die rote Wunde
versinkt unten. Der Engel des neuen
Lebens kündet vom Sieg. Alle Dinge
haben einen Beginn, eine
Geburt. Alle
Dinge durchleiden die Phase des
Kampfes, des
Ringens. Wachstum ist
nötig. Es wird möglich, wo Stille
einkehrt und Vertrauen. So wird der
Weg frei zum Bild des
Sieges, der
Erlösung. Menschen können
überwinden. Denn Gott
selbst hat sich
in diesen Zyklus des Lebens
eingelassen und
für uns
durchschritten.
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